Tsa’amri – Von einem, der auszog, Indianer zu werden

Adalbert Heide war eines von vielen Kindern, in denen die Lektüre von Karl May mächtige Sehnsüchte weckte. Aber dieser Junge aus Mähren hat seine Kindheitsträume mit dem Erwachsenwerden nicht vergessen. Mit 29 Jahren zog er als Missionar zu den Xavantes-Indianern, die im Urwald des Mato Grosso im Norden Brasiliens leben.

Details:

ZDF 1991
Länge: 77 Minuten
Buch und Regie: Eike Schmitz
Kamera: Lars Barthel
Schnitt: Ingrid Landmesser
Redaktion: Dagmar Behnke

37 Jahre ist das jetzt her. Adalbert Heide ist Häuptling geworden und hat den Namen „Tsa‘amri“ – Friedenshäuptling – erhalten. Er hat die Sprache, Sitten und Gebräuche der Xanvantes studiert, arbeitet mit seiner Filmkamera unermüdlich als Stammesarchivar, unterrichtet Xavantes-Kinder in der Schule, fährt den Dorf-Lastwagen und führt Filme vor – am liebsten Winnetou-Filme. Er hat in der Sprache der Xavantes ein Zahlensystem entwickelt, das – wie bei keinem anderen Indianerstamm – erlaubt, bis ins Unendliche zu zählen. Und er hat vor Jahren noch selbst als Jäger an den legendären Feuerjagden des Stammes teilgenommen.

Doch Tsa’amri wird durch vieles spürbar, dass er immer auch Adalbert Heide geblieben ist. Nur einen wirklich guten Freund hat er unter den Indianern gewonnen. Redet er mit seinem Kollegen aus der Missionsstation deutsch, schöpfen die Indianer Verdacht, dass die beiden Schlechtes reden. Auch über Heides Witze müssen die Indianer nicht lachen.

Still, nur durch unkommentierte Bilder und die Erzählungen Adalbert Heides sprechend, portraitiert der Film ein Leben, in dem Traum und Wirklichkeit bizarr aufeinander treffen. Ein romantischer Deutscher geht in den Dschungel und muss durch die Jahre verfolgen, wie die ersehnte ‚Kultur der Wilden‘ zu Ende geht. Ein Prozess, in dem nicht zuletzt er selbst Zivilisationsbringer ist und in dem er – auch wenn er „Tsa‘amri“ wurde – immer der Fremde bleibt. In der Heimat Mähren aber wohnt immer noch die Kindheitsfreundin Resi, mit der Adalbert einst Gänse hütete. Wenn sie erzählt, wie ihr Adalbert einst in den Westen aufbrach, treten ihr noch immer Tränen in die Augen.

Kritik von Detlev Reinert (FAZ, 31.7.1991)

Kritik von Michael Burucker (Tagesspiegel, 31.7.1991)